Leichtathletik28.05.2009

Leichtathletik beim TV Bretten driftet auseinander

Die Initiatoren dieser Website traten 2007 als Familie dem TV Bretten bei. Die aktiven Leichtathleten suchten einen Verein mit guten Trainingsmöglichkeiten. Die Nähe der verfügbaren Sportanlagen des Vereins und der Stadt Bretten zu den Schulen ließen den TV als eine gute Wahl erscheinen.
Ein Mitglied der Familie trainiert derzeit eine Kindergruppe der Abteilung. Nach zweieinhalb Jahren der Vereinszugehörigkeit ist eine auf Respekt basierende Beteiligung noch nicht erreicht; Unterordnung wird erwartet. Schon beim ersten Training zeigte sich, dass man hier nicht in der Abteilung "Harmonie und Eintracht" gelandet war. Zwei "Haupttrainer" waren eifrig damit beschäftigt, ihr Revier abzustecken. Also kaum eine Chance, nicht zwischen die Fronten zu geraten. Ein zwischenzeitlich eingerichteter "Friedensservice"
konnte zwar die dicksten Gewitterwolken vertreiben, die Großwetterlage blieb aber kritisch. Und schon wieder steigen neue Wolkentürme auf, die einiges erwarten lassen.
Irritiert suchte man Orientierung. Einzig das Leitbild des Vereins, würde es beherzigt, könnte hier weiter helfen. Gemessen an der erfahrenen Realität jedoch staunte man, wie der Verein überhaupt zu diesem Leitbild gekommen war.

 

Widmen wir uns dem Alltag. Aktuell sind an die hundert Kinder unterschiedlicher Altersgruppen in der Abteilung aktiv. In den nächsten Jahren werden diese in höhere Altersklassen hineinwachsen. Gemäß dem schon erwähnten Leitbild ist der Verein bestrebt, die Aktiven länger an den Verein zu binden. Bei diesen fortgeschrittenen Leichtathleten ergeben sich jedoch aus der Natur der Sache weitaus höhere Ansprüche an Zielplanung, Trainingskonzepte, Betreuung und Wettkampforganisation. Ein ganz wesentliches Element hierbei ist das freie Training auf den Vereinsanlagen.
Diese geänderten Anforderungen gilt es von Seiten der Trainer und Abteilungsleiter zu erkennen, zu akzeptieren und ihnen über die Schaffung von Strukturen und weiterführenden Angeboten gerecht zu werden.

 

Um alles besser zu verstehen, werden nachfolgend die wesentlichen Merkmale der Kinder- und Jugendleichtathletik in kurzen Zügen dargestellt: Bei den ganz Kleinen (6-8 J.) stehen Spaß und die Begeisterung für den Sport allgemein im Vordergrund. Koordination, Schnellkraft und Laufschulung werden u.a. über Spiele und vielfältige Übungen gefördert. Es gibt zunächst keinen direkten Spartenbezug. Mit Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten wird immer mehr zu den Grunddisziplinen hingeführt. Ab 8 Jahren gibt es dann Wettkämpfe und Kreismeisterschaften in den Dreikampfdisziplinen Sprint, Sprung, Ballwurf, zusätzlich die Langstrecke 600/800 m und eventuell Hochsprung. Hier kann man sich vom Anspruch her noch auf regionale Wettkämpfe beschränken.

 

Spätestens ab der Schülerklasse B (11-12 J.) ändert sich die Situation.
Weitere und anspruchsvollere Disziplinen wie Hochsprung, Stabhochsprung, Kugelstoßen, Speerwerfen, Diskus und vor allem der Hürdenlauf kommen hinzu.
Im Vordergrund steht nicht in erster Linie der Leistungsgedanke, sondern das Erlernen der Techniken, eingebettet in ein nach wie vor vielfältiges und motivierendes Training. Dies bedarf eines höheren und zeitintensiveren Trainingsaufwandes im Vergleich zu den jüngeren Sportlern der Kinderleichtathletik bis 10 Jahren. Es wird vorzugsweise in kleineren Gruppen von vier bis sechs Athleten mit besonderem Augenmerk auf den Einzelnen trainiert. Die wahren Meisterschaften sind jetzt nicht mehr im Kreis sondern auf Verbandsebene, die Badischen Meisterschaften. Im Vierkampf und in drei verschiedenen Blockwettkämpfen kann man antreten. Für die Erreichung der nachzuweisenden Qualifikationsleistung bedarf es bisweilen mehrerer Wettkämpfe. Bei den noch höheren Jahrgängen kommen weitere Einzelwettbewerbe und zu den Verbands- die Deutschen Meisterschaften im Mehrkampf und den Einzeldisziplinen hinzu. Auch wenn sich die Anzahl der Athleten hier ausdünnt, so entsteht doch ein weitaus höherer Aufwand.
Kleinere Trainingsgruppen, Spartentraining, Wettkampfbetreuung, mehrere Wettkämpfer in unterschiedlichen Disziplinen am gleichen Tag an verschiednen Orten, Fahrdienste und größere Fahrstrecken mit Übernachtung sind gegeben.

 

Leichtathletik ist zunächst ein Individualsport bestehend aus Einzeldisziplinen, daran gibt es nichts zu deuten. Mannschaftswertungen ergeben sich automatisch aus der Zuordnung der zum Verein gehörenden Teilnehmer. Zusätzlicher Aufwand entsteht jedoch für Mannschaftswettbewerbe und Staffeln. Hier muss dem einzelnen Athleten freigestellt bleiben, ob er sich daran beteiligt. Zum einen aus Zeitgründen (Schule, weitere Vereinsaktivitäten und Interessen, Freizeit, Familie) und zum andern aus Konditionsgründen (Gesundheit!). Dies insbesondere, wenn als abschließende Wettbewerbe am gleichen Wettkampftag z.B. Staffeln angeboten werden.

 

Wie kann man das alles bewältigen? Nur mit engagierten Menschen, Idealisten. Ohne die Eltern geht bei den älteren Leichtathleten nichts. Jeder Betreuer, Trainer (mit Schein oder ohne), Fahrer, jeder Helfer muss in der Abteilung willkommen geheißen und je nach Möglichkeit eingebunden werden. Integration, Kooperation und offene Konzepte sind die Lösung. X-Vereine zeigen dies bei den gehäuft stattfindenden Wettkämpfen über die Sommersaison. Wir sehen lebendige, emphatische Strukturen.

 

Die Leichtathletikabteilung des TV Bretten setzt hier einen Kontrapunkt. Erhebliche Mängel auf verschiedenen Ebenen führen bei den reifer werdenden Athleten(innen) und deren Eltern zu Kritik! Mit den Instrumenten, die andere Vereine erfolgreich nutzen, wäre hier schnell Abhilfe geschaffen. Vorstand und Abteilungsleiter sind nun gefragt, sollte man meinen. Nein! Die Trainerin wird autorisiert, mit disziplinarischen Maßnahmen einzugreifen. In einem offenen Mail wurde ein Regel- und Verbotskatalog vorgelegt, dessen Durchsetzung Instrumente eines totalitären Staates bedürften. Das kurzfristige Ziel, einige zu vergraulen, die dann verärgert den Verein verlassen, kann erreicht werden. Aber das Rad dreht sich weiter. Und schon steht der nächste Jahrgang samt Eltern da.

 

Der Verein will die älteren Leichtathleten offensichtlich so nicht. Schon jetzt bis über beide Ohren zeitlich überlastet, sieht die Trainerin ihre wie auch immer legitimierte Position in Gefahr. Nicht genug damit, nun will sie ihren X Ehrenämtern ein weiteres, das des Stadtrates hinzu fügen. Ob bewusst ist, dass Macht auf unterem Niveau der Omnipräsenz bedarf?



Weitere Informationen:
Leitbild des Vereins Bretten