Leichtathletik18.08.2009

Standortbestimmung ohne klare Koordinaten

Schülerinnen B des TV Bretten im Leichtathletik Vierkampf.

 

Regionale Sportfeste wie das am Samstag, den 27.06. in Eutingen sind als Leistungsvergleich relativ zu sehen, vor allem, wenn am gleichen Tag - wie in diesem Jahr - die Badischen Meisterschaften in den Blockwettkämpfen in Rheinfelden stattfinden. Entsprechend war das Teilnehmerfeld in Eutingen bei den Schülerinnen B(W12/13) ausgedünnt. Dieser Kommentar bezieht sich ausschließlich auf die Klasse W12/13. Die "Guten" in Rheinfelden (171) und das "Regionale-Mittelmaß" in Eutingen? Einzig der TV Bretten fuhr mit allen verfügbaren Athletinnen dieser Altersgruppe nach Eutingen. Warum?

 

Der Ausbildungsstand der Sportlerinnen in den technischen Disziplinen, vor allem im Hürdenlauf ist mangelhaft. Entsprechend gering das Engagement der Brettener, sich um eine Qualifikation für die Badischen Meisterschaften für die Blockwettkämpfe zu bemühen. Angeboten im Vereinsterminplan war ein Qualifikationswettkampf, den keiner besuchte. Letztendlich war das Sportfest in Eutingen eine Vereinsmeisterschaft des TV Bretten, die es aber als solche, sprich eine eigene Veranstaltung auf eigenem Platz in absehbarer Zeit wohl nicht geben wird. Denn Gemeinsinn und Kommunikation ist neben dem sportlichen Treiben Inhalt einer solchen Aktion. Das aber ist nicht im Sinne der Autoritäten. Auf fremden Plätzen dagegen kann man seinen Stil ungestört pflegen.

 

Bei den Badischen Meisterschaften im 4-Kampf an Fronleichnam in Ettlingen startete der TV Bretten den Versuch, die Athletinnen in den überregionalen Vergleich zu stellen. In der Klasse W12 kamen 52 Teilnehmerinnen und bei den W13 73 in die Wertung. Drei Teilnehmerinnen vom TV Bretten beendeten den Wettkampf vorzeitig und reisten samt Führung vor Wettkampfende ab. Warum?

 

Die Qualifikationsleistungen für diese Badischen Meisterschaften wurden auf Betreiben einiger Vereine, sowohl für die Einzelleistungen als auch für die Mannschaftsqualifikation kräftig herabgesetzt (z.B. W13 von 1800 Punkte auf 1700 Punkte). Die Gründe dafür sind nicht nachvollziehbar, da schon im letzten Jahr weit über zwanzig Schülerinnen - damals W12, heute W13 - die geforderten 1700 Punkte erreichten (siehe Bestenliste). Diese Änderung wurde von einigen Vereinen (zum Glück nicht allen) eifrig genutzt, um alles für diese Meisterschaften zu melden, was sich bewegt

 

Das Beispiel Bretten. Zwei Mannschaften je 5 Teilnehmerinnen schickte man nach Ettlingen.

Nur zwei davon hatten auch die Einzelqualifikation, der Rest war bisweilen weit davon entfernt. Das End vom Lied war ein kaputter Wettkampf, da total überlaufen. Und das nicht nur für die 4-Kämpfer, sondern auch für die Einzelwettkämpfe der Schüler A, die zu gleicher Zeit statt fanden. Trotz Aufteilung in zwei Gruppen stand man beim Weitsprung im strömenden Regen 20 bis 25 Minuten für den nächsten Versuch an. Die Hochsprunganlage war über vier Stunden von den Schülerinnen W13 belegt. Keine Chance, den Zeitplan für die Schüler A ein zu halten. Hier fuhren einige, die von weit her gekommen waren, aufgrund der Wartezeiten unverrichteter Dinge wieder ab. An deren Gefühlslage dachte niemand.

 

Der Veranstalter, bei der Ausrichtung solcher Wettkämpfe sichtlich unerfahren, trägt nicht allein die Verantwortung. Er wurde von der Flut der Meldungen einfach überrollt. Die Ursachen liegen bei einflussreichen Personen, die keine Einsicht an den Tag legen. Kritische Stimmen im Vorfeld gab es, die aber wurden auf unterschiedlichen Ebenen einfach abgebügelt. Heraus kam eine nicht den Reglements folgende, bizarre Badische Meisterschaft.

 

Die Frage, ob damit dem Sport oder der Selbstwertfindung junger Athletinnen gedient ist, beantwortet selbstredend die Ergebisliste, vor allem die Punktedifferenz des letzten Drittels zu den vorderen Plätzen. Den aussichtslosen Wettkampf dann kurzerhand abzubrechen und vorzeitig abzureisen, so wie es Brettener Teilnehmer in Ettlingen handhabten, konterkariert die Grundsätze des sportlichen Wettkampfs. Pflicht ist, jedem Kind im Vorfeld realistische, auf die individuellen Möglichkeiten ausgerichtete Ziele zu vermitteln, die dann im Wettkampf erreichbar sind, um so Frust und Abbruch zu vermeiden.



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Leichathletik driftet auseineander